Wir nennen es Dosenfischen

Ausprobiert: Einpersonenzelt Nemo GoGo

Disclaimer: Das Zelt wurde von den Berfreunden zur Verfügung gestellt, wir durften es nach dem Test behalten. Das hat unsere Meinung zu dem Produkt allerdings nicht (also weder positiv noch negativ) beeinflusst.


Da liegt es vor mir. Unscheinbar, ohne Zweifel. In einem kleinen, schmucklosen Beutelchen soll sich also ein Zelt befinden. Ein ganzes Zelt. Das habe ich mir anders vorgestellt. Schliesslich ist das, was ich sonst für eine Nacht draussen mit mir rumschleppe erheblich mehr.
Kürzlich waren es um die 10 Kilo, die Zelt, Gestänge, Schnüre, Heringe und Stoff auf die Wage brachten – selbst mit dem Fahrrad ordentlich Zusatzgewicht.
Nicht so beim Nemo. Ein Einpersonenzelt, das laut Hersteller gerade mal knapp über 600 Gramm wiegt, dessen Packmaß bei jeweils gut 15 Zentimetern liegt. Und dabei dennoch für Draussen gut geeignet sein soll.

Eigentlich sollte das Zelt beim Lost-In-MV-Event ausprobiert werden.
Dazu kam es nicht. Im Nachhinein bin ich ganz froh darüber, denn bei den Wassermengen, die am Sonnabend den Zeltplatz geflutet haben, haben nur die Zelte mit mindestens zwei Rädern die 50 Liter/qm halbwegs schadlos überstanden.


Das Spannende am Zelt offenbart sich, als der Inhalt des Päckchens galant auf dem Rasen ausgeworfen wird. Neben dem Außen- und Innenzelt kommen nur noch Heringe (schön leicht aus Alu – auf härteren Untergründen aber unter Umständen problematisch) und ein schwarzes längliches Teilchen zum Vorschein. Beim Anfassen stellt es sich als Pumpe heraus.


Nanu, Pumpe? Richtig: Im Innenzelt guckt ein kleines Ventil am Ende eines Schlauchs heraus, der sich mit Hilfe der Pumpe aufblasen lässt. Dadurch bekommt das kleine Zelt Stabilität – und kann gänzlich auf Gestänge verzichten. Drei Reepschnüre und fünf Heringe werden mitgeliefert. Das ist allerdings für meine Begriffe zu knapp dimensioniert. Denn ein vernünftiges Abspannen ist damit nicht gänzlich möglich. Zudem wird insbesondere am Fußende das Zelt etwas arg “labbrig”. Hier empfiehlt der Hersteller auf der eingenähten Anleitung zum Beispiel einen Stock. Das ist zwar total outdoorig – allerdings erwarte ich bei einem Zelt dieser Preisklasse ein wenig mehr Professionalität im Detail.

Mit anderen Worten: Wer tatsächlich nicht nur Schönwetterzelten betreiben will, sollte bezüglich der Heringe und einer stabilen Stange für den Fußbereich von Beginn an Nachrüsten.


Besonders skeptisch war ich aufgrund der Größe des Zeltes. Das Innenzelt, das grundsätzlich auch ohne das Außenzelt genutzt werden kann, sieht nach dem Aufbau erstmal superklein aus. Allerdings relativiert sich das ganz schnell: Selbst mit etwas über 1,90 Metern Größe kann man gut liegen. Aber man vergißt dabei mit Sicherheit nicht, dass ein Ein-Personen-Zelt kein Luxus-Domizil ist. Mehr etwas geräumiger als im Schlafsack unter freiem Himmel. Mit dem Überzelt wirds ein wenig praktischer. Denn das Außenzelt bietet ein wenig mehr Platz im Kopfbereich, sodass eine Tasche noch mit unter dem Dach Platz findet.
Dennoch: Mit etwas mehr Gepäck, zum Beispiel einer zweiten Radtasche, wirds noch kuscheliger.


Die Verarbeitung des Zelts läßt zumindest bei mir, der ja nun nicht unbedingt vom Fach ist, erstmal keine Wünsche offen. Das Schlauchkonstrukt erscheint stabil, das Außenzelt wirkt solide und gut verarbeitet, die Nähte sind getapet.
Allerdings ist die Farbgebung des Nemo etwas ungünstig gewählt. Zwar ist das grelle Grün sehr auffällig (und falls man mal verloren geht ist man damit sicherlich auch von einem Helikopter aus zu sehen). Aber genau das ist das Problem: Beim Testaufbau im Garten und bei Sonnenschein hatte ich sogleich ein Jagdgeschwader der unangenehmen kleinen schwarzen Rapsglanzkäfer auf der Hülle. Im Echteinsatz stelle ich mir das etwas anstrengend vor.

Was ich aber sehr angenehm fand: Hat man sich einmal mit dem Zelt auseinandergesetzt und weiss, wie der Hase läuft, ist der Aufbau tatsächlich in nullkommnix erledigt. Das kenne ich von anderen Zelten gaaaanz anders. Da ist der Aufbau Wissenschaft, wenn nicht sogar Raketentechnologie. Beim Nemo war der zweite Anlauf in etwas über 5 Minuten absolviert. Rekord.

Fassen wir mal zusammen:
Begeistert bin ich von der Verarbeitung und den Abmessungen des Zelts, auch wenn letztere aus meiner sicht nicht dem entsprechen, was der Hersteller als Richtwert angibt. Dennoch: Das Zelt ist extrem klein und zuverlässig.
Überhaupt nicht optimal und zum Gesamteindruck passend empfand ich die Thematik mit dem “Stock fürs Fußende” und die Anzahl der Heringe. Hier hatte ich zunächst den Eindruck, dass möglicherweise die Lieferung nicht ganz vollständig war. Dies hatten die Bergfreunde jedoch nochmal geprüft und versichert, dass die fünf Heringe korrekt seien. Wer mit dem Zelt liebäugelt, muss hier nachrüsten.
Das Platzangebot im Zelt reicht für eine Person aus, im Zweifel lassen sich auch zwei Kinder einquartieren – für den Nachwuchs garantiert ein Erlebnis.
Als Notzelt (wenns mal wieder länger dauert) ist das Nemo zu empfehlen, für ausgedehnte Touren, bei denen auch das Wetter möglicherweise widrig ist, wäre ich vorsichtig.

5 Kommentare

  1. Die Zelte der Ulmer hielten bei Lost dicht, auch mein Vaude Bivi I Einpersonenzelt. Hörte/fühlte sich gegen morgen nur an, als läge man mit unter einer Dusche. Rucksack lag im freien in seiner Regenhülle und blieb auch trocken.

    Stimmt das Gewicht von 600 g? Bei den Bergfreunden sind 0,9 bis 1,3 kg angegeben. Schon ein riesen Unterschied.

    Wenn die Angaben bei den Bergfreunden stimmen (Innenzelt: 290 x 104 x 68 cm), dann ist das Zelt für ein Einpersonenzelt von der Grundfläche her schon riesig. In einige andere passt nichtmal der Rucksack mit rein.

    Mein nächstes Zelt wird auf jeden Fall freistehend, man kriegt nicht überall Heringe in den Boden. Ein paar meiner Aluheringe sind schon verbogen und im Sand von Cavallino halten sie auch nicht wirklich.
    Entscheidend war beim Kauf des Bivis auch der Preis, knapp 130 EUR bzw. im Fabrikverkauf knapp 100 EUR. Sonst bin ich abgesehen von der Größe und den Heringen mit meinem Zelt sehr zufrieden.

    Was mich interessieren würde ist, ob das aufblasbare Zeltgestänge Platzregen oder Hagel nachgibt (wenn man die Biler von diesem Musikfestival anschaut wird einem ganz anders). Schütte doch nach dem nächsten Aufbau als Test einen Eimer Wasser mit Schwung drauf und schau wie/wo es sich durchbiegt.

  2. vielen dank fuer dein feedback und deine ergaenzungen.

    die angaben schwanken stark, hatten wir (die bergfreunde und wir hier) auch feststellen muessen. der hersteller sagt 600, tatsaechlich sind es aber in der tat knapp 800 gewesen. warum das gewicht differiert – who knows.

    ja, der innenraum ist schon gross. aber: ich auch. als erfahrener 6-personen-zelt-bewohner fand ich es eher eng. zumal ich ein nur-zum-liegen-zelt bislang gar nicht kannte.

    das mit dem “viel wasser auf einmal” probiere ich noch aus und reiche das ergebnis nach. gefuehlt (!) fand ich den aufgeblasenen schlauch recht stabil – fuer mich war schnell der vergleich mit dem kite da (jedenfalls habe ich den luftdruck im schlauch ebenso mit einem fingerschnips geprueft…). jedoch fand ich den rest des zeltes insbesondere am fussende etwas labbrig…

  3. Interessanter Bericht! Mir scheint das mit dem Schlauch aber auch eher um eine Schönwettersache. Der Stock für’s Fußende ist super: man läuft durch karge Wildnis und kann einen Stock mitschleppen. Prima! Das geht gar nicht. Dafür sind die 600-800 g Gewicht super.

    Hat das Zelt denn einen kleinen Vorraum, in dem man den Rucksack liegen lassen kann? Das ist auch was, was nicht unbeachtliche Relevanz hat.

    Danke für den Testbericht & Grüße aus Arvika…

  4. Ich bin auch in den Genuss gekommen ein ausflasbares Nemo Zelt (Gogo Elite) über mehrere Tage und auch bei Regen zu testen. Ich kann sagen, dass ich mich die ganze Zeit sehr wohl gefühlt habe. Allerdings bin ich auch nur 1,63m groß und konnte meinen Rucksack in einem Auto unterbringen. Aber ansonsten: top.

    @Frank Z: Die Stabilität ist vollständig davon abhängig, ob man das Zelt gut über die Heringe gespannt bekommt, andernfalls würde der aufblasbare Schlauch einfach umkippen. Die Gewichtangaben und Packmaße des Herstellers sind mit etwas Vorsicht bzw. großzügig zu genießen.

    @aba: Bin sehr auf Deinen “Viel viel Wasser” Test gespannt. Ich habe es nur bei schwachem bis mittelschwerem Regen getestet. Hier übrigens top beim Aufbau, da Innen- und Außenzelt eins sind.

  5. ja, ein kleiner vorraum ist vorhanden. wobei klein im verhaeltnis zum restlichen zelt gar nicht mal stimmt. einen rucksack und zeug bekommt man da gut unter.

    schoen, dich hier mal wieder zu lesen…

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